Hotel Sacher Salzburg

Hotel Sacher, Salzburg: Edel verpflichtet

Das Hotel Sacher in Wien kennt jeder, der die berühmte Torte kennt. Dass es in Salzburg auch ein Sacher gibt, wissen dagegen die wenigsten. Dabei funktioniert der Schmäh auch ohne Wien perfekt: Das Sacher Salzburg ist das vielleicht beste Hotel Österreichs.

#Wertung

Service-Faktor
Service-Faktor
1
10
Design-Faktor
Design-Faktor
1
10
Herzlichkeits-Faktor
Herzlichkeits-Faktor
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10
Innovations-Faktor
Innovations-Faktor
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10
Kreativitäts-Faktor
Kreativitäts-Faktor
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Nachhaltigkeits-Faktor
Nachhaltigkeits-Faktor
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Wohlfühl-Faktor
Wohlfühl-Faktor
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Hardware-Faktor
Hardware-Faktor
1
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Gourmet-Faktor
Gourmet-Faktor
1
10
Usability-Faktor
Usability-Faktor
1
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Die Bewertung erfolgt nach subjektiven und zugleich professionellen Gesichtspunkten aus meiner Perspektive als langjähriger Branchen-Insider anhand des Net Promoter Score auf einer Skala von 1 (unwahrscheinlich, dass ich das Unternehmen einem Freund oder Kollegen empfehlen würde) bis 10 (äußerst wahrscheinlich).

Das Hotel Sacher, Ursprungsort der wohl berühmtesten Torte der Welt, ist ein Mythos und ein Klischee. Immer wird der Name Sacher in einem Atemzug mit Wien genannt, so wie die Mozartkugeln ein Symbol Salzburgs sind.

Achtung, jetzt wird es verwirrend: Auch in Salzburg gibt es ein Hotel Sacher. Und zwar eines, dass sich vor dem Mutterschiff in Wien ganz und gar nicht verstecken muss!

General Managerin Armie-Angélique Lassiwe ist gebürtige Hamburgerin – ausgerechnet. Ohne Österreich- und Torten-Erfahrung kam sie aus dem berühmten Hotel Atlantic nach Salzburg, wo Udo Lindenberg der Legende zufolge noch heute residiert. Eigentlich sollte die Alpenrepublik nur eine Zwischenstation in ihrer internationalen Hotelkarriere sein. Doch Lassiwe blieb hängen, wurde von der Empfangschefin zur Direktorin – und führt heute ein beachtliches Grand Hotel inmitten einer der kleinsten Metropolen der Welt.

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Perfekte Festspiel-Basis

Salzburger Hotels haben einen echten Vorteil: Hier gibt es eigentlich nur A-Lagen. Die Stadt ist so klein, dass die Lage mit „Salzburg“ schon hinreichend beschrieben ist. Denn wer ist hier schon ohne Auto unterwegs? Und in der Altstadt geht sowieso alles zu Fuß.

Wenn es in Salzburg dennoch so etwas wie eine Premium-Lage gibt, dann hat sie das Sacher: Das Gebäude am Nordufer der Salzach direkt an der Uferpromenade liegt genau zwischen den beiden Mozart-Häusern: nördlich das Wohnhaus des berühmtesten Salzburgers, südlich am anderen Ufer das Geburtshaus. Staatsbrücke, Linzer Gasse und Kapuzinerberg liegen vor der Tür.

Das große Festspielhaus ist 700 Meter Fußweg und damit einen angenehmen Spaziergang entfernt – länger als zehn Minuten wird kaum jemand dafür brauchen. Damit ist das Sacher auch ein perfekter Ausgangspunkt in der Festspiel-Saison.

Foto: Das Große Festspielhaus in Salzburg © Salzburger Festspiele
Foto: Das Große Festspielhaus in Salzburg © Salzburger Festspiele

Klassische Eleganz in den Zimmern

Das Hotel Sacher Salzburg ist kleiner als sein Wiener Mutterhaus – aber keinen Deut weniger fein. 110 Zimmer und Suiten zwischen gemütlichen 20 und üppigen 150 Quadratmetern stehen zur Verfügung. Viele verfügen über einen eigenen Balkon und einen fantastischen Blick über die Altstadt, die Salzach und die Festung Hohensalzburg.

Das Gestaltungskonzept nennt Interior-Designerin Alexandra Winkler „Trendition“ – eine Verbindung von modernem Design und der noblen Tradition der Marke Sacher. Was zunächst eher kitschig klingt, funktioniert tatsächlich: Originalgemälde, Antiquitäten und Kristalllüster verbinden sich mit zeitgemäßen Annehmlichkeiten zu einem überraschend harmonischen Gesamtbild. Jedes Zimmer wurde individuell gestaltet, das gesamte vierte Stockwerk gerade erst frisch renoviert. Der neue Suitenflügel wurde erst wenige Tage vor meiner Ankunft fertiggestellt. Doch er sieht aus und funktioniert, als wäre er schon immer da gewesen – ein echtes Kunststück. Respekt!

Die Ausstattung lässt keine Wünsche offen; nur die Minibar ist für meinen Geschmack arg konventionell bestückt. Allerdings muss ich als Kollege vom Fach eingestehen: Salzburg ist einfach nicht der Ort für Hotellerie-Experimente.

Hotel Sacher Salzburg
Foto: Jedes der 110 Zimmer ist ein Unikat © Hotel Sacher Salzburg Betriebsgesellschaft mbH

Service mit magischen Fähigkeiten

Neben der Lage, der ehrfurchtgebietenden Tradition und natürlich der Torte hat das Hotel Sacher sich ein weiteres Alleinstellungsmerkmal hausgemacht: seine Mitarbeiter und deren Haltung. Dagegen verblasst in meinen Augen sogar die Torte.

Ich predige seit Jahrzehnten jedem Hotel: Sprecht eure Gäste mit Namen an – das ist besser als jeder zusätzliche Stern auf der Plakette. Denn der Name macht den Aufenthalt persönlich. So konsequent wie im Sacher in Salzburg habe ich das noch nie umgesetzt gesehen: Hier ist der Name Gesetz. Jeder Gast wird überall und ständig persönlich angesprochen. Selbst die Reinigungskraft, der ich auf dem Weg zu meinem Zimmer in die Quere komme, spricht mich ohne Zögern mit meinem Namen an – kurz nach dem Checkin!

Es ist nicht die einzige magische Fähigkeit im Service des Sacher. Der Room Service verkauft so elegant-charmant mit offenen Fragen, dass es sich anfühlt wie die Erfindung der Wahlfreiheit. Und der Schuhputz-Service bringt mir Schuhe zurück, die auf wundersame Weise besser aussehen als die, die ich gekauft habe.

Sacher Torte
Foto: Die berühmte Sacher Torte © Original Sacher-Torten Manufaktur GesmbH

Solide Gastronomie ohne Wow-Faktor

Das Frühstück ist gut, aber nicht sehr gut. An der Qualität der Produkte liegt es ganz und gar nicht: Neben der Original-Sachertorte sind auch die übrigen süßen Verlockungen vom Feinsten. Auch die Selektion von handgeschnittenem frischen Obst ist überzeugend. Aber die Brot- und Müsliauswahl könnte umfangreicher sein; hier machen andere Hotels mehr aus der fantastischen österreichischen Backtradition. Auch der Service ist beim Frühstück ausnahmsweise nicht optimal: Leere Saftkrüge werden zu lange nicht nachgefüllt, und auf Sonderwünsche muss man teils eine Weile warten.

Mein Dinner haut mich, obwohl handwerklich ohne Tadel, nicht vom Hocker: An Fleisch und Soßen gibt es nichts auszusetzen. Ob der Spargel eher knackig oder etwas weicher auf den Teller gehört, ist Ansichtssache. Doch die Portionen, und das ist nicht verhandelbar, sind einfach zu klein. Die Salzburger Nockerln zum Dessert werden mit echtem Schmäh und weißen Handschuhen serviert – und sind hochwertig wie erwartet. Nur: Das erwarte ich im besten Hotel am Platz in Salzburg eben auch.

Der große Überraschungsfaktor bleibt gastronomisch für mich aus. Allein auf die Torte sollte ein Hotel sich dann doch nicht verlassen, sondern rundum Akzente setzen.

Fazit: Österreichische Gastkultur, wie sie im Buche steht

Das Hotel Sacher in Salzburg ist ein beeindruckendes Hotel mit extrem hohen Standards und wenigen Schwächen. Zur Weltklasse fehlt ihm vielleicht ein gewisser Diven-Faktor – ein überraschendes, gewisses Etwas jenseits des professionell inszenierten Charmes. Doch in Österreich muss sich dieses Haus vor nichts und niemandem verstecken.


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