Villa d´Este Comer See

Villa d‘Este, Comer See: Wenn 5 Sterne noch zu wenig sind

Ein Urlaub am Comer See verbindet Luxus mit ursprünglichster italienischer Lebensart. Unser Reise- und Service-Experte Carsten K. Rath hat in ein Traditionshotel eingecheckt, das eine Sehenswürdigkeit für sich ist.

#Wertung

Service-Faktor
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1
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Design-Faktor
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Herzlichkeits-Faktor
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Innovations-Faktor
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Kreativitäts-Faktor
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Nachhaltigkeits-Faktor
Nachhaltigkeits-Faktor
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Wohlfühl-Faktor
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Hardware-Faktor
Hardware-Faktor
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Gourmet-Faktor
Gourmet-Faktor
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Usability-Faktor
Usability-Faktor
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Die Bewertung erfolgt nach subjektiven und zugleich professionellen Gesichtspunkten aus meiner Perspektive als langjähriger Branchen-Insider anhand des Net Promoter Score auf einer Skala von 1 (unwahrscheinlich, dass ich das Unternehmen einem Freund oder Kollegen empfehlen würde) bis 10 (äußerst wahrscheinlich).

„Der genaue Standort des Himmels auf Erden wurde nie festgestellt, aber er mag durchaus genau hier sein“, hat der berühmte Journalist Herb Caen einmal gesagt. Die Villa d’Este am mondänen Comer See nimmt dieses Zitat für sich in Anspruch. Eigentlich frech, wenn es nicht so verdammt passend wäre. Als ich die Auffahrt hinauf zur Villa d’Este entlang gleite, komme ich mir vor wie der Aristokrat in einem Gesellschaftsroman. Schon jetzt verstehe ich, warum George Clooney hier gern mal die Saison verbringt.

Seit jeher ist die Region um den kristallklaren See in der norditalienischen Lombardei ein Lieblingsziel der gehobenen Touristik. Der 146 km2 große See, von den Lago di Como oder einfach nur „Larius“ genannt, ist der drittgrößte Italiens und mit bis zu 425 Metern der tiefste der oberitalienischen Seen. Der höchste Berg an seinen Ufern ist der Monte Legnone mit immerhin 2609 Metern.

Der Comer See ist auch perfekt für Freizeitsportler: Wanderer, Bergsteiger, Biker, Golfer, Segler, Surfer und alle anderen Wassersportler kommen hier voll auf ihre Kosten. Vor allem zwei Dinge machen ihn so beliebt: das milde, mediterrane Klima, das bis in den Spätherbst anhält – und die zahlreichen kleinen Orte entlang des Ufers, in denen die ländliche italienische Lebensart noch weitgehend unberührt ist.

Villa d´Este Comer See
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Geschichte mit 5 Sternen

Am Südwestzipfel des Comer Sees liegt das Hotel, dessen Geschichte manchen modernen Staaten Konkurrenz macht. Das Gebäude mit seinem 10 Hektar großen Park und seiner eigenen Kunstsammlung wird als eines der wichtigsten Werke der Architektur des 16. Jahrhunderts bezeichnet. Richtig gelesen: 500 Jahre!

Ein Hotel ist die Villa d’Este „erst“ seit 146 Jahren – was immer noch fast alle in Betrieb befindlichen Hotels von Weltrang übertrifft. In vielen Bereichen war das Hotel seither immer wieder Trendsetter: 1966 eröffnete in der Villa d’Este einer der ersten Sportclubs innerhalb eines Hotels – und gleichzeitig der freischwebende Pool, der noch heute die große Attraktion des Hotels ist. Wie eine Luxus-Yacht schwebt er auf dem See.

Eine Art Spa gab es sage und schreibe 1856 zum ersten Mal in diesem Hotel: gebaut zu Ehren einer früheren Prinzessin von Wales. Da war das Wort „Wellness“ noch lange nicht erfunden.

Villa d`Este Comer See
Foto: Erholung pur im Wellness-Breich der Villa d´Este © Villa d’Este SpA

Barocke Pracht mit WLAN

Noch in keinem anderen Hotel ist mir der Kontrast zwischen der Tradition alter Grand Hotels und der digitalen Revolution so stark aufgefallen wie in meiner etwa 70 qm2 großen Suite in der Villa d’Este. Unter einem goldenen Baldachin, mit feinster royalblauer Seide behangen, ruht mein Smartphone-geplagter Schädel auf einem handgeschnitzten Bettgestell, das schon Fürsten und Prinzessinnen beherbergt hat. Direkt daneben ein Touchscreen, der die Klimaanlage steuert. Und selbstverständlich überall WLAN. Auch unter den strengen Blicken der barocken Porträts in den Fluren und Hallen, die mich verständnislos dabei beobachten, wie ich mir ein Stück Plastik ans Ohr halte und mit mir selbst rede.

Die marmornen Säulenhallen mit ihren üppigen Blumengebinden, dekadenten Kronleuchtern und schweren Brokatvorhängen können nicht an normalen Hotels, sondern nur an Barockschlössern gemessen werden. Koste es, was es wolle: Hier scheint jeder Preis angemessen.

Villa d`Este Comer See
Foto: Königlich wohnen in den Luxus-Zimmern der Villa d´Este © Villa d’Este SpA

Royaler Service für Gäste ohne Geldsorgen

Und das ist auch gut so, denn in der Hochsaison beginnen die Preise für ein Zimmer in der Villa d’Este weit jenseits von 500 Euro. Es ist eines der teuersten Hotels der Welt. In diesem Bereich darf der Service nicht mehr gut sein; er muss außergewöhnlich sein.

Tatsächlich besteht daran von Anfang an kein Zweifel: Als ich mein Zimmer betrete, erwartet mich bereits eine handgeschriebene Karte des Direktors Danilo Zucchetti mit der Botschaft „Willkommen zurück, lieber Carsten!“ Hier wird kein Gast vergessen, egal wie lange es her ist. Wir haben uns 2013 kennengelernt, als wir beide eine Auszeichnung der Niagara University entgegennahmen.

Nicht nur ich, sondern auch andere Gäste werden wir hier vom Chef persönlich in Empfang genommen. Es sind Aristokraten, Feingeister, Prominente, kurz: die High Society. Neureiches Publikum ist hier selten bis gar nicht anzutreffen. Die Atmosphäre ist familiär; man kennt sich in diesen Kreisen. Das gilt auch fürs Personal: Die Mitarbeiter sind als Team perfekt aufeinander eingespielt.

Villa d`Este Comer See
Foto: Vom Restaurant hat man einen fantastischen Blick auf den Comer See © Villa d’Este SpA

Gastronomie wie am Fürstenhof

Michele Zambanini, der Executive Chef der Villa d’Este, zeichnet für mein Dinner im Gourmet-Restaurant der Villa genauso verantwortlich wie für die Luxus-Snacks, die mir auf dem Pool-Deck serviert werden. Und seine Teller vermitteln den Eindruck, als hätte der Meister noch jedes Kräuterblättchen selbst ausgesucht und drapiert.

Beim Frühstück steht eine unüberschaubare Obstauswahl zur Verfügung – regionale Sorten genauso wie exotische, ohne Ausnahme mit perfektem Reifegrad. Auch Kleinigkeiten wie die Petit Fours und Schokoladen zum Kaffee oder beim Turn-down-Service sind auf Spitzenniveau. Alles, was aus der Küche kommt, ist hausgemachte Handarbeit von kompromissloser Qualität.

Ein Besuch in der Küche zeigt mir, dass selbst hier, vor den Augen der Gäste verborgen, noch der Stil gewahrt wird: Die Köche sind über Headsets miteinander verbunden. Kein Gebrüll über Töpfe und Pfannen hinweg wie in anderen Hotelküchen üblich.

Villa d`Este Comer See
Foto: Das Auge isst mit im Gourmet- Restaurant der Villa d´Este © Villa d’Este SpA

Fazit: Ein Schloss für die Superreichen

Die Villa d’Este ist keine Villa, sondern ein Palast für die oberen Zehntausend. Fünf Sterne sind eigentlich zu wenig.

Eine um Längen günstigere Alternative für einen Urlaub am Comer See ist das Sheraton, etwa drei Kilometer entfernt ebenfalls am Ufer des Sees inmitten des Ortes Como gelegen. Die obligatorische Bootsrundfahrt startet direkt vor der Haustür. Und in unmittelbarer Nähe liegt mit dem Italiener „Kitchen“ ein bezahlbares, aber hervorragendes Restaurant.

Nur George Clooney wird man dort nicht begegnen. Der bleibt in der Villa d’Este. Und ich weiß jetzt auch, warum.


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