Hotel W South Beach Miami

W South Beach, Miami: Die Trumpisierung der Hotellerie

Das W South Beach hat mit dem Setai Miami seine stärkste Konkurrenz direkt nebenan. Der direkte Vergleich zeigt: Die Hotelszene der legendären Strandmetropole ist so gespalten wie Amerika – in einem etwas weiter hergeholten Sinne.

#WERTUNG

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Service-Factor

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Usability-Faktor

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Wohlfühl-Faktor

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Gourmet-Faktor

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Kreativitäts-Faktor

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Innovations-Faktor

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Hardware-Faktor

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Bei der Bewertung handelt es sich um eine subjektive Momentaufnahme von Carsten K. Rath.

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South Beach, Miami, ist immer noch eine Ikone der amerikanischen Lebensart. Kaum ein anderer Ort und wohl kein anderer Strand stehen in derselben Weise sinnbildlich für das amerikanische Lebensgefühl. Jedenfalls jenes des TV-Amerika der 80er und 90er, des Amerika von Miami Vice und Busenwunder, des Amerika der durchgeknallten Millionäre in Hawaiihemden, das Amerika des Körperkults; ein Amerika, in dem unter all der Fake-Bräune nicht nur die Strände sehr weiß sind.

Irgendwie ist es ein Amerika und ein Miami, das es nicht mehr gibt. Die Menschen, die daran festhalten wollen, strömen dennoch weiter hierher. Make America great again? Wenn es eine Stadt zu diesem Slogan gäbe, welche könnte besser geeignet sein als Miami, dieser Sehnsuchtsort, dieser Strand der amerikanischen Träume?

Miami, die erfahrene, schlaue Weltstadt, weiß das natürlich. Schon seit langem hat Miami seinen Blick als Kunst- und Design-Metropole in die Zukunft gerichtet –  durchgestylt, durchgefranchised und hochstilisiert. Nach außen hin will sich die Stadt  vom weißen, amerikanischen Sunnyboy-Image der alten, glorreichen Zeiten verabschieden. Jedenfalls schien es mir so, bis zu meinem letzten Besuch vor einem Jahr, als die Überraschung der Präsidentenwahl noch frisch war.

Das W Miami, wie jedes Hotel in Southbeach, muss alle glücklich machen: die jungen, kreativen Kosmopoliten und die übergewichtigen, nostalgischen weißen Amerikaner. Zu welchem Miami passt das Hotel besser? Ich checke ein, um es herauszufinden.

Street Art South Beach Miami
W South Beach Miami
Street Art South Beach Miami
W South Beach Miami
W South Beach Miami
Hotel W South Beach Miami
Street Art South Beach Miami
The Dutch W South Beach Miami
Street Art South Beach Miami
Hotel W South Beach Miami
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Auch Strandschönheiten altern

Grundsätzlich richtet sich die Marke W, eine Design-Hotelkette von Starwood und damit von Marriott International, an eine jüngere Zielgruppe als die meisten anderen gehobenen Angebote der Gruppe. Damit ist W seit seiner Gründung vor etwa 15 Jahren überall auf der Welt sehr erfolgreich.

Beim ersten Rundgang durchs Hotel nach dem Checkin kann ich auch durchaus sehen, warum: Die Einrichtung, die Atmosphäre, das Design und überhaupt alles, was sensorisch aufs Wohlbefinden einwirkt, ist durchdacht: Das W ist schick und sexy und riecht gut. Ich korrigiere: Ich kann sehen, dass es bei der Eröffnung schick und sexy war. Denn abgesehen vom guten synthetischen Geruch, der aus den Diffusoren gepumpt wird, ist das ehemals heißeste Hotelprojekt am South Beach neun Jahre nach seiner Eröffnung bereits überraschend abgewohnt.

Hier deutet sich die Misere des W an, die sich mir während meines Aufenthalts immer wieder aufdrängt: Das Setai direkt nebenan, wo im letzten Jahr gewohnt habe, ist genauso alt – wurde im Gegensatz zum W aber gerade erst wieder in die Forbes-Rangliste der besten Hotels der Welt aufgenommen.

Mein Zimmer ist immerhin angenehm groß – geschätzte 36 Quadratmeter. Es ist komplett weiß gefliest; typisch Florida. Mag sein, dass nur ein Insider das sieht, doch die Fliesen sind von der relativ günstigen Sorte. Dasselbe gilt für die weiß-grauen „Marmor“-Platten im Bad – ohne Badewanne, aber mit großer Dusche. Zu meckern gibt es hier wenig: Das Zimmer ist in Ordnung, der Pflegezustand immerhin besser als in den öffentlichen Bereichen. Aber am South Beach ist „in Ordnung“ ein bisschen wenig – jedenfalls für jene Gäste, die den Vergleich haben. Zumal die Preis South-Beach-typisch hoch sind: etwa 400 Euro kostet mein Zimmer pro Nacht. Klar ist die Lage sensationell – doch andere bieten einfach mehr Hotel, mehr Komfort und mehr Service fürs Geld.

Hotel W South Beach Miami
Foto: Typisch Florida: viel Platz und weiße Fliesen

Whenever, wherever? Never ever!

Am ersten Morgen nach meiner Ankunft bin ich durch die Zeitverschiebung um halb sechs wach und gejetlagged und brauche dringend einen Kaffee. Als ich in den öffentlichen Bereichen keine geöffnete Bar vorfinde, frage ich die Rezeptionistin, ob ich um diese Zeit irgendwo ein Getränk bekomme. „Ja, vom Room Service“, sagt sie. „Kann das Getränk mir nicht hierher in die Lobby gebracht werden?“, frage ich. „Nein, leider nicht“, ist die Antwort. „Das ist bei uns Policy: Der Zimmerservice liefert nur ins Zimmer. Aber Sie können mit Ihrem Kaffee gern wieder nach unten kommen, wenn Sie ihn dann haben.“

Ernsthaft? Aus rationaler Management-Sicht mag so etwas logisch klingen. Aus Gästesicht ist es einfach nur sinnfrei und unflexibel. Vor allem in einem Hotel, dessen Philosophie lautet: „Whenever, wherever!“ In diesem Fall, und nicht zum einzigen Mal während meines Aufenthalts, wird daraus ein „Never ever“. Die Marketing-Kampagne von W, die mit dem namensgebenden Buchstaben W spielt, ist äußerst charmant: W für Wet beschreibt den Pool, W für Wheels den Valet, World Wide Wow dient als Slogan. Kommunikation: Eins plus. Nur gelebt wird das, was hier verkauft wird, nicht. Schmutzige Liegen am Pool sind kein Drama, aber auch keine Auszeichnung. Dass das Housekeeping mal vergisst das Zimmer zu putzen, kann passieren. Dass es nach einem Reminder fünf Stunden später immer noch nicht geputzt ist, schon eher nicht mehr.

Von einer ganzen Reihe solcher kleinen, nervigen Episoden während meines Aufenthalts prägt folgende Begegnung mein Bild vom W jedoch am nachhaltigsten. Ich frage den Concierge: „Könnten Sie bitte für mich herausfinden, ob meine Buchung Frühstück beinhaltet?“ Als ehemaliger Grand Hotelier bin ich allein schon davon irritiert, dass er sitzen bleibt, während ich vor ihm stehe – eigentlich ein No-go in der Gastbegegnung. Seine Antwort verschlägt mir beinahe die Sprache: „Warum gehen Sie nicht rüber zur Rezeption und finden es heraus?“ Zum Glück finde ich meine Fassung schnell wieder und antworte: „Was ist mit whenever, wherever?“ „Ooookayyyy“, gibt er genervt zurück, und setzt sich im Schneckentempo in Bewegung. Zurück kommt er leider nicht – meine Frage bleibt unbeantwortet.

So etwas darf in einem 5-Sterne-Hotel in einer Metropole nicht passieren. Never ever!

Überhaupt gewinne ich den Eindruck, dass das Recruiting von W beim Mitarbeiter-Casting seine eigene, junge Zielgruppe vergessen hat. An allen Touchpoints finde ich lustlose, langsame, grobschlächtige, ungepflegte und charmefreie Angestellte vor, die von Kundenbegeisterung offenkundig noch nie etwas gehört haben. Vielleicht ist die Zielgruppe dieses Hotels in Miami ja doch eher die der übergewichtigen, weißen Amerika-Nostalgiker, die mit dem Kultur-Chichi des designverliebten Hipster-Miami nicht viel anzufangen wissen und sich an grobschlächtigem Service nicht weiter stören.

Einmal mehr drängt sich mir das Gegenbild Setai auf: Dort ist alles und jeder grazil, elegant, charmant und gepflegt. Dort habe ich nach dem Joggen ein Glas Wasser in der Hand, bevor ich überhaupt darum bitten kann. Hier geht es schneller, wenn ich die Stufen zu meinem Zimmer im achten Stock auch noch nach oben jogge und mir das Wasser selbst eingieße.

Zugegeben: Das Setai Miami ist für die meisten Hotels eine unfaire Vergleichsfolie. Es ist ohne Zweifel eines der besten Hotels der USA. Doch das Setai liegt nun mal direkt nebenan. Und das hier ist, verdammt noch mal, immer noch Miami.

Hotel W South Beach Miami
Foto: Die Lounge in fröhlichen Farben sieht erst auf den 2. Blick abgewohnt aus

Die Küche schießt das Ehrentor

Das Frühstücksbuffet gibt weniger Anlass zur Klage als der Service – frohe Botschaften gibt es aber auch hier nicht zu vermelden. Neben einer reichhaltigen Auswahl an verpackten Zerealien, die nicht mit W beginnen, gibt es – na ja, das übliche eben. Die Auswahl entspricht dem Standard-Continental-Breakfast, und immerhin ist eine Handvoll frische Obstsorten vorhanden. Kreativität sucht man hier allerdings genauso vergebens wie im Service.

Vielleicht kann das hauseigene Restaurant „The Dutch“ mich ja noch davon überzeugen, dass das W so cool ist, wie die Security-Mitarbeiter in ihren schwarzen Lacoste-Hemden es von sich glauben. Immerhin ist es das Schwester-Restaurant des „The Dutch“ NYC. Die Einrichtung des Freisitzes mit viel Teak verströmt eher typisches South-Beach-Flair als Amsterdamer Atmosphäre. Das Interior Design des Innenraums wirkt schon eher europäisch.

Ich esse eine Ceviche und einen Red Snapper auf einem Bett aus Grünzeug – ein hübscheres Wort erschiene mir für die ziemlich uninspirierte Präsentation unpassend. Tatsächlich handelt es sich um sieben verschiedene Gemüse, die einen sehr leckeren Sud ergeben. Die Ceviche mit drei Zubereitungsarten vom Mais (roh, gepoppt und frittiert) ist ebenfalls spannend konzipiert – die Mahlzeit versöhnt mich tatsächlich für einiges.

Vielleicht, denke ich an diesem Abend kurz vor Ende meines Aufenthalts, hätte ich im W South Beach tun sollen, was ich als Hotelier in meinen eigenen Häusern immer gern getan habe: viel Zeit in der Küche verbringen. Service können sie hier nämlich nicht. Aber kochen – kochen können sie.

The Dutch W South Beach Miami
Foto: Kunst und gute Küche im hoteleigenen Restaurant "The Dutch"

Raths Experten-Tipps für South Beach

  • Design: In Miamis Design District, in der 2nd Avenue gibt es neben den üblichen Verdächtigen wir Bofi, Ligne Rosé oder Minotti auch innovative Shops wie „Chrome Hearts“, wo aus ungewöhnlichen Materialien atemberaubende Designerstücke entstehen. 
  • Jogging: Vom W führt ein beliebter, eigens befestigter Laufweg von etwa 4 km Länge zwischen Mangroven und Meer zum Hafen. Gut einschmieren; Moskitos mögen Mangroven und Jogger. Die Alternative: Richtung Süden direkt am Strand entlang.
  • Bar: Sweet Liberty ist unter Einheimischen als eine der besten Bars der Stadt bekannt. Die Cocktails hier sind einfach über jeden Zweifel erhaben, und die frischen Meeresfrüchte und das wirklich authentische American Bar Food sind schwer zu toppen.
Street Art South Beach Miami
Foto: Street Art South Beach Miami

Fazit: Anspruch vs. Attitüde

Neben seinem stärksten Konkurrenten, dem Setai Miami direkt nebenan, wirkt das W wie der prollige Nachbar mit den neonfarbigen Muskelshirts und dem getunten 3er Cabrio in der Auffahrt. Der Charakter des Hotels ruft in mir Assoziationen mit Donald Trump hervor: zu grobschlächtig, zu laut, zu einfach und dabei unangenehmerweise zu selbstbewusst. Vielleicht ist Miami 2018 nicht mehr das, was es mal war und auch nicht das, was es stattdessen werden wollte, sondern etwas ganz anderes: eine Pilgerstätte derer, die sich das alte Amerika zurückwünschen. Die Trumpisierung Miamis, die Trumpisierung der Hotellerie? Wer auch immer dafür verantwortlich ist: Das W South Beach hat ein Ausstrahlungsproblem. Dieses Haus mit seinem plumpen Service und seinen unmotivierten Mitarbeitern steht einer jungen, internationalen Marke wie W nicht gut zu Gesicht: Es ist laut und lahm zugleich; inkompetent und dabei „in your face“, wie die Amerikaner sagen. Vielleicht gibt es eine Zielgruppe, die das mag. Ich bin diese Zielgruppe nicht. Rath checkt aus, und nächstes Mal wieder nebenan ein.


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