The Blue Box Cafe Tiffany´s New York

Breakfast at Tiffany’s – gibt es jetzt wirklich

Warum genau es nach dem Erscheinen des Filmklassikers mit Audrey Hepburn 55 Jahre gedauert hat, bis der mondäne Schmuckhändler Tiffany’s in der Fifth Avenue in New York City tatsächlich Frühstück im eigenen Haus anzubieten beschlossen hat, wird zwar ein Rätsel bleiben. Doch jetzt ist es soweit: Vorhang auf für die wohl vom Fleck weg berühmteste Frühstücks-Location der Welt.

Die offensichtlichste Geschäftsidee in der Geschichte der Gastronomie

The Blue Box Cafe Tiffany´s New York
Foto: Der Flagship des Tiffany & Co. befindet sich in New Yorker Toplage auf der Fifth Avenue. © T&Co.

Stellen Sie sich vor, Sie führen eines der bekanntesten Schmuckgeschäfte der Welt, in privilegierter Lage in einer der besten Adressen New York Citys. Stellen Sie sich vor, ein Hollywoodfilm mit den größten Stars seiner Zeit wird nach Ihrem Geschäft benannt und teilweise dort gedreht. Stellen Sie sich vor, dieser Film heißt „Breakfast at Tiffany’s“ und wird binnen kürzester Zeit zum Klassiker. Was tun Sie? Sie bieten Frühstück an – oder etwa nicht?

Der internationale Schmuckgigant mit dem Stammhaus an der Fifth Avenue hat 55 Jahre gebraucht, um diesen offensichtlichen Schluss zu ziehen. Gewiss hatten die milliardenschweren Entscheider gute Gründe für ihr Zögern. Nur eben keinen, den ich nachvollziehen kann.

Schließlich haben sie sich doch noch ein Herz gefasst. Vorbei die Zeiten, in denen junge Damen auf den Spuren der Hepburn alias Holly Golightly mit Croissant und Kaffee to go in der Hand vor dem Flagship Store auf- und abstöckeln mussten, um ein Frühstück bei Tiffany’s zu simulieren – wie es die Hepburn in der Eröffnungsszene des Films selbst tut.

Im November 2017 eröffnete im Stammhaus der Kette das Blue Box Café. Und dort wird Frühstück serviert – in einem Ambiente, das der Golightly wohl gefallen hätte.

Ein Mädchentraum in Mint, äh – blau?

The Blue Box Cafe Tiffany´s New York
Foto: Das Design des Blue Box Cafe strahlt in den unverwechselbaren Blautönen. © T&CO

Der Name „Blue Box Café“ ist durchaus treffend gewählt: Das überschaubare Café im vierte Stockwerk von 727 Fifth Avenue zu betreten fühlt sich für mich an wie in eine überlebensgroße Geschenkbox des legendären Juweliers zu steigen. Und genau das ist, wie Vice President Richard Moore Vanity Fair verraten hat, auch die Idee. Zwischen Stil und Kitsch verläuft an diesem Ort ein schmaler Grat: Die einen werden sich fühlen wie in einer besonders edlen Puppenstube; ich kam mir hier mit Lederjacke und Dreitagebart schon beinahe deplatziert vor. Die anderen werden den Stil ikonisch finden.

Luxuriös geht es allemal zu: Die seidig glänzenden, stoffbezogenen Clubsessel, die ledernen Sitzbänke und die Wände bis hinauf zur Decke sind komplett im klassischen Tiffany-Blau gehalten, das eigentlicher eher ein Mint ist und den Namen des Cafés Lügen straft. Die lange Wand ist mit graugrünem Amazonit getäfelt – einem rein zufällig ziemlich genau Tiffany-blauen Naturmaterial.

Mein Highlight sind allerdings die klassischen New Yorker Bistrotische, stilecht wie aus den 60ern entführt: Mit Tischplatten aus genietetem Aluminium wirken sie, als wären für das Interieur dieses Café ein paar Tante Jus gestorben.

Café oder Showroom?

Ein New Yorker Konsumgigant dieser Kragenweite eröffnet natürlich auch nach 55 Jahren nicht einfach nur ein Café, um ein Café zu eröffnen: Auf dem Weg dorthin durch die vollständig renovierte vierte Etage komme ich an einer Ausstellungsfläche vorbei, die eine neue Dekorations- und Accessoire-Linie von Reed Krakoff präsentiert – dem Chief Artistic Officer von Tiffany’s.

Das Café ist somit kein reiner Selbstzweck – es soll auch dazu dienen, Besucher in dieses neu gestaltete Stockwerk und vorbei an den neuen Produkten zu lotsen: Erst frühstücken wie bei Tiffanys, dann das Tiffany’s-Ambiente auf dem Weg nach draußen mit nach Hause nehmen.

Und wenn nicht Teller oder Besteck oder sündhaft teure Heimdekoration, dann vielleicht wenigstens einen glasierten Kuchen in Form einer Tiffany-Box für überschaubare 36 Dollar.

Und wie schmeckt das Frühstück bei Tiffany’s?

The Blue Box Cafe Tiffany´s New York
Foto: Ob Pfeffer- und Salzstreuer oder die charakteristischen Teller: Das vollständige Geschirr-Set im Online-Shop angeboten. © T&CO

Was aber isst man eigentlich zum berühmten Frühstück bei Tiffany’s? In dieser Hinsicht bleibt die Marke dem Film treu: Was in Paris ein „petit déjeuner“ ist, wird hier zur Kunstform, nämlich Kaffee und Croissant, den diese Definition umfasst, gibt es wahlweise auch noch Avocado-Toast (mein absoluter Favorit auf der Karte), getrüffelte Eier oder einen Bagel mit Räucherlachs dazu – und das für schlappe 29 Dollar. Nur die Hepburn’sche Zigarette müssen die Holly Golightly’s der Zukunft verzichten; die ist hier genauso tabu wie überall sonst in New York City’s öffentlichen Bereichen.

Für diesen Preis, der für New Yorker Verhältnisse eigentlich gar nicht mal so verrückt ist, gibt es unbestreitbar exzellente Qualität: Ja, das Frühstück bei Tiffany’s löst meine hohen Erwartungen ein. Auch Teetrinker wie ich werden mit acht verschiedenen handverlesenen Sorten verwöhnt.

Neben Frühstück gibt es auch Lunch: 39 Dollar kosten zwei Gänge, die Karte wechselt saisonal. Auch High Tea wird angeboten, Dinner jedoch nicht.

Das Fazit: Die Kalorien wert?

Die Gralshüter von Tiffany‘s haben sich alle Mühe gegeben, die Welt der Holly Golightly an diesem ikonischen Ort mit maximalem Wiedererkennungswert einzufangen und für eine neue Generation zu erschließen, die den Film im Zweifel gar nicht gesehen hat: Breakfast at Tiffany’s ist eine brandneue New Yorker Institution hart an der Grenze zum Edelkitsch – aber auch ein Erlebnis, das viele New-York-Besucher einmal werden erlebt haben wollen. Denn wenn das Blue Box Café eines ist, dann ikonisch.

Und warum hat das nun so lange gedauert? Wir werden es wohl nie erfahren.

#Wertung

Service-Faktor
Service-Faktor
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5
10
Design-Faktor
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Herzlichkeits-Faktor
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Innovations-Faktor
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Kreativitäts-Faktor
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Nachhaltigkeits-Faktor
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Wohlfühl-Faktor
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Hardware-Faktor
Hardware-Faktor
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Gourmet-Faktor
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Die Bewertung erfolgt nach subjektiven und zugleich professionellen Gesichtspunkten aus meiner Perspektive als langjähriger Branchen-Insider anhand des Net Promoter Score auf einer Skala von 1 (unwahrscheinlich, dass ich das Unternehmen einem Freund oder Kollegen empfehlen würde) bis 10 (äußerst wahrscheinlich).


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