The Fontenay Hotel Hamburg

The Fontenay, Hamburg: Made in Germany

Das im März 2018 eröffnete 5-Sterne-Superior-Hotel The Fontenay hat viel Aufsehen erregt. Für den Hype hat Inhaber Michael Kühne selbst mit seinem Versprechen gesorgt, das „beste Hotel in Deutschland“ zu bauen. Hotelexperte Carsten K. Rath hat ihn beim Wort genommen und die hanseatische Gastfreundschaft ausprobiert.

#Wertung

Service-Faktor
Service-Faktor
1
10
Design-Faktor
Design-Faktor
1
10
Herzlichkeits-Faktor
Herzlichkeits-Faktor
1
10
Innovations-Faktor
Innovations-Faktor
1
10
Kreativitäts-Faktor
Kreativitäts-Faktor
1
10
Nachhaltigkeits-Faktor
Nachhaltigkeits-Faktor
1
10
Wohlfühl-Faktor
Wohlfühl-Faktor
1
10
Hardware-Faktor
Hardware-Faktor
1
10
Gourmet-Faktor
Gourmet-Faktor
1
10
Usability-Faktor
Usability-Faktor
1
10

Die Bewertung erfolgt nach subjektiven und zugleich professionellen Gesichtspunkten aus meiner Perspektive als langjähriger Branchen-Insider anhand des Net Promoter Score auf einer Skala von 1 (unwahrscheinlich, dass ich das Unternehmen einem Freund oder Kollegen empfehlen würde) bis 10 (äußerst wahrscheinlich).

So viel Aufsehen um ein Hotel gab es in Deutschland zum letzten Mal vor der Wiedereröffnung des Hotel Adlon im Jahr 1997. Die Botschaft des Eigentümers, HSV-Mäzen Klaus-Michael Kühne, war unüberhörbar: Hier wird geklotzt, nicht gekleckert. „Das Fontenay soll in die Hotel-Geschichte eingehen“, sagte er etwa dem Hamburger Abendblatt. „Das beste Hotel Deutschlands“ sollte es werden. Eine Benchmark, die in meinen Augen bisher das Brenner’s Park Hotel & Spa in Baden-Baden gepachtet hat – ohne damit zu werben. Ankündigen ist das eine – Gästestimmen das andere.

The Fontenay Hotel Hamburg
The Fontenay Hotel Hamburg
The Fontenay Hotel Hamburg
The Fontenay Hotel Hamburg
The Fontenay Hotel Hamburg
The Fontenay Hotel Hamburg
The Fontenay Hotel Hamburg
The Fontenay Hotel Hamburg
The Fontenay Hotel Hamburg
The Fontenay Hotel Hamburg
The Fontenay Hotel Hamburg
The Fontenay Hotel Hamburg
The Fontenay Hotel Hamburg
The Fontenay Hotel Hamburg
previous arrow
next arrow
Slider

Bau und Eröffnung waren, wie häufig bei solchen Mammutprojekten in Deutschland, der reinste Krimi: Wieder und wieder wurde die Eröffnung verschoben, und auch hinter den Kulissen ging es hoch her – Rechtsstreit zwischen dem Eigentümer und dem Architekten Jan Störmer eingeschlossen. Bald machte das geflügelte Wort von der „kleinen Elbphilharmonie“ die Runde – nicht zuletzt aufgrund der immensen Kosten von 100 Millionen Euro.

Doch Kühne focht das nicht an. Bei der Eröffnung im März 2018 blieb er seiner Linie der starken Worte treu: „Wir wollen einen Beitrag leisten, dass viele internationale und nationale Gäste nach Hamburg kommen“, sagte Kühne bei der Eröffnung.

Irgendwie gar nicht hanseatisch, solche Töne. Soviel Drama und Superlativ-Rhetorik, zumal im Zusammenhang mit einem Hotel, kennt man sonst eher aus Amerika. Bleibt die große Frage: Wie sieht, ein halbes Jahr nach der Eröffnung des Hauses, die Realität aus? Kann das aufsehenerregendste Hotel Deutschlands die hohen Erwartungen erfüllen?

Unschlagbare Lage

The Fontenay Hotel Hamburg
Foto: Fast alle Zimmer und Suiten bieten einen fantastischen Blick auf die Alster © THE FONTENAY Hamburg

Soviel sei vorweg verraten: In der Substanz – zweifellos. Auch die Lage an der Außenalster, auf dem Grundstück des ehemaligen Intercontinental, ist über jeden Zweifel erhaben. Der Bezug zur Umgebung ist im Fontenay stilgebend: Das Hotel versteht sich als Hommage an die Hansestadt – sowohl geografisch als auch kulturell. Es soll auch ein Hotel für die Hamburger sein, hat der Eigentümer bei der Eröffnung gesagt.

Die Liebe der Hamburger zum Wasser war der Ansatzpunkt des Konzepts. Viele der 114 Zimmer und 17 Suiten bieten einen direkten Blick auf die Alster. In unmittelbarer Nähe liegen u. a. das Kongresszentrum Congress Hamburg, die Universität Hamburg und die Kunsthalle Hamburg.

So bietet das Fontenay sich auch Bürgern und Gästen der Stadt als Treffpunkt an, die nicht im Haus wohnen. Ein Tee in der Atrium Lounge oder ein Dinner im Gartenrestaurant Parkview im Erdgeschoss steht allen offen – mit freiem Alsterblick in gediegenem Ambiente. Besonders die Bar mit ihrem Fast-Rundumblick und der 500 Quadratmeter großen Außenterrasse bietet sich als neues Society-Epizentrum geradezu an.

The Fontenay Hotel Hamburg
Foto: Treffpunkt auch für Gäste, die nicht im Haus wohnen - das Gartenrestaurant Parkview © THE FONTENAY Hamburg

Qualität, wohin das Auge blickt

Und dann dieses Gebäude. Das vieldiskutierte Design, das sich skulptural aus drei konzentrischen Kreisen zusammensetzt, soll drei ineinander verwachsene Baumkronen symbolisieren. Manche erinnert es auch an einen Fidget Spinner. Ein Vergleich, der die älteren Hanseaten, denen ich hier vorwiegend begegne, kalt lassen dürfte.

Die vollverglaste, geschwungene Fassade lässt viel Licht herein und verleiht dem Gebäude eine beinahe schwerelose Anmutung. Das Interior Design verwebt hanseatische Elemente wie Eichenholz-Parkett, Rattan-Außensesseln und ein gediegenes, pastelliges Farbschema aus Beige- und Aquatönen mit wertigem, dezentem Designer-Mobiliar.

Hamburger Understatement? Auf dem Papier: Ja. Doch das Hoteliers-Auge sieht sofort, dass hier in der Tat geklotzt wurde. Ein Eichenholz-Parkett, das in dieser Qualität ausgeführt ist, habe ich zuletzt in der über 100 Jahre alten Wohnung meines Großvaters gesehen. Die Glasfronten wirken, als wären sie granatensicher. Einer solchen Material- und Verarbeitungsqualität bin ich noch in keinem deutschen Hotel begegnet – sie erinnert an deutsche Limousinen. Und die großzügigen Fensterfronten der hellen Zimmer sorgen dafür, dass es auch an regnerischen Hamburger Tagen nicht trist wird. Die Wände sind mit edelsten Bezügen tapeziert, die Raumhöhe luftig. Alles ist edel, solide, durchdacht und unkompliziert. In puncto Qualität ist das Fontenay im besten Sinne „made in Germany“.

The Fontenay Hotel Hamburg
Foto: Luxus made in Germany - die Ausstattung ist edel, durchdacht und von bester Qualität © THE FONTENAY Hamburg

Bei aller hanseatischen Gediegenheit ist das Hotel auch technologisch up-to-date: Vorhänge, Licht, Klima und andere Einbauten etwa werden über ein Touchpad gesteuert. Alles schreit: Ich bin teuer!

Selbstverständlich, dass auch der Spa-Bereich auf dem neuesten Stand ist – bei Preisen von mindestens 150 Euro für eine Behandlung hätte alles andere mich allerdings auch schockiert. Auf dem Zimmer gibt es eine extra Wellness-Überraschung: Die großzügige 100ml-Seife wurde von Lorenzo Villoresi kreiert und extra für das Hotel gebrandet. Und das ist mir noch nie passiert: Sie macht mich nicht an. Sie riecht nach reifem Wohlstand. Sie riecht nach alten Herren mit hohen Ansprüchen. Sie riecht nach dem 19. Jahrhundert.

Das Highlight unter den Gästezimmern ist die 200 Quadratmeter große Fontenay-Suite mit spektakulärem Panoramablick, einer voll ausgestatteten Küche, zwei Badezimmern und Gäste-WC, die der Fassade folgend halbrund angelegt ist. Überhaupt ist an der Kreis-Architektur interessant, dass man neben dem Alsterblick immer auch einen optischen Bezug zum Gebäude hat.

Neben den Gästezimmern verfügt das Fontenay auch über Residenzen, die gemietet werden können – und derzeit komplett ausgebucht sind.

The Fontenay Hotel Hamburg
Foto: Enstpannung auf höchstem Niveau im hochmodernen Spa-Bereich des Fontenay © THE FONTENAY Hamburg

Hanseatische Tugenden im Service

Auch der Service im Fontenay ist klar made in Germany. Im Dienstleistungs-Sektor galt das lange Zeit nicht als Kompliment, doch hier ist es so gemeint. Alle Mitarbeiter, denen ich begegne, sind grundsolide ausgebildet. Sie arbeiten zuverlässig und hanseatisch-zurückgenommen; der Stil im Umgang mit den Gästen passt sehr gut zum Charakter des Hauses. Sie strahlen eine vornehme, disziplinierte Gelassenheit aus und vergessen nicht, wer vor dem Tresen steht und wer dahinter.

Besonders beeindruckend finde ich, dass sie nichts vergessen – auch nicht das kleinste Detail. Das ist eine Qualität, die sich nur bedingt schulen lässt. Als Hotelier weiß ich: Hier wurde nicht nur gut geschult, hier wurde schon bei der Auswahl der Mitarbeiter Wert auf hanseatische Tugenden wie Zuverlässigkeit, Aufmerksamkeit und Disziplin gelegt. General Manager Thies Sponholz, der schon das Rocco Forte in Berlin zum Erfolg führte, hat ganze Arbeit geleistet – er ist ein Glücksfall für den Eigentümer.

Einher mit dem Understatement geht allerdings eine gewisse Distanziertheit. Das passt zum ausdrücklich hanseatischen Gesamtkonzept. Je nach Erwartungshaltung an ein 5-Sterne-Superior-Hotel mit internationalem Anspruch kann man es aber auch als Mangel empfinden. Ich gehöre zu den Gästen, denen es so geht. Ich will abgeholt, mitgerissen, in das Erlebnis Hotel hineingezogen werden. Mit diesem Anspruch bin ich im Fontenay falsch.

The Fontenay Hotel Hamburg
Foto: Ein tolles Ambiente mit fantastischem Ausblick und 500 Quadratmeter großen Außenterrasse - die Bar im The Fontanay © THE FONTENAY Hamburg

Als ich mit meinem Freund Dietmar Axt, CEO der Mustang Group, bei einem abendlichen Bier auf der Dachterrasse sitze, fühlen wir uns in unseren Jeans wie Cowboys ohne Pferd. Den Gästen um uns herum, allesamt im reiferen Alter und hanseatisch in Jackett und Krawatte gekleidet, ist eine gewisse Irritation anzumerken. Den Mitarbeitern auch. In diesem Umfeld „made in Hamburg“ wirken wir ein wenig wie Fremdkörper.

Kulinarik ohne Experimente

Auch kulinarisch verlässt sich das Fontenay auf Bewährtes – personell gesehen, mindestens. Verantwortlich für das Restaurant Lakeside (im verglasten obersten Stockwerk) zeichnet der mit einem Michelin-Stern dekorierte Schweizer Cornelius Speinle. Das ebenerdige Gartenrestaurant Parkview, das sich mit seiner Zugänglichkeit auch Nicht-Hotelgästen für ein schickes Lunch anbietet, führt Stefan Wilke. Er hat zuvor viele Jahre lang auf der MS Europa 2 gekocht – für eine ähnlich reife, gediegene Klientel, wie ich sie an den Nachbartischen beobachte. So gesehen: eine smarte Wahl.

Die Küche im Parkview ist saisonal orientiert und vergleichsweise bodenständig. Wilke setzt auf Klassiker – manche davon mit einem dezenten, modernen Twist. Nur nichts übertreiben. Eine Hühnerbrühe mit Zitronengras, Chili und Koriander oder ein Hühnerfrikassee mit Madras Curry ist das höchste der exotischen Gefühle. Daneben dominieren Klassiker wie Rib Eye und Rinderfilet und natürlich solide Fischspezialitäten wie Backfisch vom Kabeljau und kross gebratener Wolfsbarsch die Karte.

The Fontenay Hotel Hamburg
Foto: In den Restaurants des Fontenay stehen lokale Spezialitäten im Vordergrund © THE FONTENAY Hamburg

Bei Cornelius Speinle im Lakeside geht es etwas experimenteller zu. Doch auch hier stehen die lokalen Spezialitäten im Mittelpunkt – wenngleich die Techniken vergleichbaren Restaurants in nichts nachstehen. Die Preise sind in jedem Fall auch schon mal auf Sterne-Niveau.

Die Qualität stimmt in beiden Restaurants, keine Frage. Doch auch hier beschleicht mich derselbe Eindruck, den ich seit dem Betreten des Hotels in jedem Winkel verspüre: Zu meckern gibt es absolut nichts. Weder am Essen, noch am edlen Ambiente mit Hering-Geschirr und Besteck von Robbe & Berking. Doch es gibt einen Punkt, an dem Understatement langweilig wird – mir jedenfalls.

Raths Experten-Tipps für Hamburg

The Fontenay Hotel Hamburg
Foto: Die Elbphilharmonie, neues Wahrzeichen von Hamburg © THE FONTENAY Hamburg
  • Reeperbahn: Auch bei Einheimischen besonders angesagt ist der Neid-Club, in dem auch Altmeister Jan Delay gelegentlich noch auflegt.    
  • Snack: In einem der alten Kaufmannshäuser der Deichstraße am Nikolaifleet, die den Brand von 1842 überstanden haben, residiert die ausgezeichnete Crêperie Ti Breizh. 
  • Sightseeing: Eine Reservierung im Lakeside Restaurant unterm Dach des Fontenay lohnt sich allein schon für das sensationelle Rundum-Panorama über die Stadt – unschlagbar.

Fazit: Hanseatisch bis ins Mark

Hanseatisch-nüchtern betrachtet, in den rationalen Kategorien wie Bau- und Ausstattungsqualität, ist das Fontenay in der Tat schwer zu toppen. In dieser Hinsicht hat Klaus-Michael Kühne sein Versprechen gehalten. Doch die Entscheidung für ein Hotel ist nun mal keine rationale Entscheidung, sondern eine emotionale. Und vor allem eine hochgradig subjektive. Bei mir will der Funke nicht überspringen. Das Fontenay ist im besten Sinne „Made in Germany“; in einem ambivalenten Sinne aber vielleicht zu sehr. Die Zimmerpreise beginnen bei 320 Euro pro Nacht. Das ist selbst für ein 5-Sterne-Superior-Hotel viel, besonders nach Hamburger Maßstäben. Ist das Haus mit all seinen Qualitäten den Preis wert? Zweifellos. Doch werden die Gäste für das Erlebnis Hamburger Außenalster, verglichen mit den besten Häusern etwa an der Seine oder an der Themse in derselben Preisklasse, bereit sein, diesen Preis zu zahlen? Eine Frage, die ein alteingesessener Hamburger wohl anders beantworten würde als ein junger Kosmopolit. Sie könnte für das Fontenay zur Schicksalsfrage werden. Letztlich aber steht und fällt jedes Hotel mit seiner Führung und der Art, wie sie mit solchen Fragen umgeht. So gesehen ist Thies Sponholz mit seiner Mannschaft die beste Investition, die Michael Kühne tätigen konnte.


nach oben

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.