Berlin

Ein Tag in Berlin: To-do-Liste für Anspruchsvolle

Berlin ist das Superlativ von Deutschland: die größte, die aufregendste und auch die am stärksten polarisierende Stadt der Bundesrepublik. Nirgendwo sonst sind die Kontraste so stark, treffen so viele Stile aufeinander. Lange hatte Berlin deshalb eher einen Ruf als Partyhauptstadt denn als Reiseziel für Anspruchsvolle. Die Zeiten haben sich geändert: Luxus ist eine Frage der Wahlfreiheit – und in dieser Hinsicht ist Berlin inzwischen spitze.   

 

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Einchecken im Hotel Provocateur

Im aufregenden Hotel Provocateur erwachen Retro-Träume zum Leben, aber nicht nur die: Hier darf jeder nach seiner Fasson glücklich werden. Das Provocateur ist ein Projekt von Micky Rosen und Alex Urseanu, den Machern der Kette Roomers. Es ist sozusagen der „burlesque“ Bruder der Erfolgsmarke. Wie alle Hotels der beiden „Hoteliers des Jahres“ auf pralle Lebensfreude ausgelegt, legt das Provocateur bei der Sinnlichkeit noch mal eine Schippe drauf – im Gegensatz zu den Roomers-Häusern jedoch mit 4 statt 5 Sternen. Fällt der Unterschied auf? Nicht wirklich. Das Interior des Hotels stammt vom Amsterdamer Designer Saar Zafrir. (Es macht dem Namen „Provocateur“ alle Ehre, denn hier ist der Regelbruch Programm. So wurde in diesem Hotel einfach mal auf die Lobby verzichtet. Warum? Weil der Gast beim Betreten des Hotels sofort in die verführerische, geheimnisvolle Atmosphäre eines Salons mit seiner aufreizenden Plüschigkeit und seinen dunklen Ecken hineingezogen werden soll.

In diesem Hotel, das an Kontrasten reich ist, passen all die kleinen Spitzen, Reize und Provokationen auf wundersame Weise perfekt zusammen. Hier kommt der Tourist auf der Suche nach etwas Besonderem genauso zum Zug wie der Business-Reisende, der sich abends endlich mal nicht langweilen will. Wer seinen Koffer in Berlin an einem besonderen Ort lassen möchte, ist im Provocateur richtig. Wer Glamour und ein Maximum an Luxus dem Abenteuer vorzieht, findet seine Hauptstadt-Heimat nach wie vor im legendären Adlon – dem Hotel, das ich 1997 selbst wiedereröffnen durfte. Fünf Sterne zu vernünftigen Preisen gibt es im alten und neuen Herzen der City-West: im Hotel Bristol (nicht mehr Kempinski) am Ku‘damm.

Schlendern mit Stil: Die City-West

Reichstag Berlin
Foto: In Berlin kommt wirklich jeder auf seine Kosten: Geschichtsbegeisterte, genauso wie Kulturliebhaber, oder Shopping-Verrückte

Berlin hat viele Gesichter – und jeder Besucher deshalb die Wahl, welches Berlin er erkunden möchte. In Stadtteilen wie Friedrichshain, Neukölln und Kreuzberg boomt das Hipstertum mit allem, was dazu gehört: hippe Kaffees in Betonoptik, einige der besten Clubs der Welt für Tanzwütige (allen voran immer noch das Berghain) und Kunst-Venues, an denen man glatt vorbeilaufen würde (und manchmal vielleicht auch sollte), wenn man sie nicht kennt. Gleichzeitig erlebt die City-West eine Renaissance: mit neuen Hotelbauten und den etablierten luxuriösen Boutiquen von Budapester Schuhen bis Hublot. Gleich um die Ecke, auf der anderen Seite der Gedächtniskirche, lockt das innovative Bikini Building. Mit seinem Fokus auf regionales Design und seinen wechselnden Pop-up Stores ist die Mall der anderen Art ein Magnet für moderne Kosmopoliten.

Lunch mit Berliner Schnauze, aber unter Kronleuchtern

Das The Grand war schon kurze Zeit nach seiner Eröffnung 2012 zu einer Institution geworden – und hat sich seither nicht auf seinen Lorbeeren ausgeruht. Allein die Location in der Hirtenstraße ist spektakulär: Das Interieur ist eine Mischung aus edlem Gastro-Design und unprätentiösem Shabby Chic – und genauso kontrastreich ist auch die Küche. Küchenchef Thilo Roth, der nach einem Ausflug in andere Gefilde kürzlich an seine Wirkungsstätte zurückgekehrt ist, macht hier vieles, was verwöhnte Gaumen von einem gehobenen Restaurant erwarten würden, aber er macht es anders. So serviert er einen halben Hummer – aber nicht als Star eines überkandidelten Tellerkunstwerks, sondern als Beigabe zum klassischen Cesar Salad. Der bis zu 800 Grad heiße South Bend Grill, das Herzstück der Küche, ist mitverantwortlich für die hervorragenden Fleischgerichte. Der Service ist einer von vielen Beweisen, dass Berliner Schnauze und echter Stil durchaus keine Widersprüche sein müssen. Hier ist man sofort per Du und spürt dennoch vom ersten Moment an die Fachkompetenz: Die empfohlene Weinbegleitung ist auf den Punkt. Ein Restaurant, das in jeder Hinsicht gute Laune macht – zum Lunch oder zum Dinner.

Hauptstadtkultur jenseits des Hipster-Syndroms

C/O Berlin
Foto: Im hippen Café der Galerie C/O werden "Berliner Stullen" vom Holzofen angeboten © C/O Berlin Foundation

Immer präsent in der City West ist für den, der danach sucht, auch die geballte Qualität europäischer Hochkultur. Zu meinen Favoriten gehört das C/O Berlin, die Galerie im Amerika-Haus. Hier verschmelzen sozusagen zwei Berliner Welten miteinander. Denn zu den extrem hochwertigen wechselnden Ausstellungen gibt es ein verdächtig hippes Café, dessen Spezialität die „Berliner Stullen“ aus dem Holzofen sind. Auf seinen Stufen kommen die Hauptstädter, vom Kunststudenten über die Bohème bis zum Diplomatensohn, an sonnigen Tagen auch gern einfach so zusammen. Die Location ist zudem extrem gut gelegen: Nur einen Steinwurf vom Bahnhof Zoo entfernt und damit auch in unmittelbarer Nähe zum Ku’damm und vielen wichtigen Verkehrsadern der Stadt.

Hauptstadtlaufen: Meine Lieblingsroute entlang der Spree

Als Hauptstadt-Attraktion mag die Spree an sich nicht mit der Seine oder der Themse mithalten können. Doch für Läufer bieten die Spreeufer geradezu idyllische Bedingungen. Die Auswahl an tollen Jogging-Strecken entlang der Spree, aber auch an Binnengewässern wie dem Tegeler See, ist riesig. Mein derzeitiger Favorit ist Treptow im Osten der Stadt, in Sichtweite der berühmten Skulptur Molecule Man zwischen Elsenbrücke und Oberbaumbrücke. Der Stadtteil liegt mitten im Gentrifizierungs-Boomgebiet im Osten und hat – vor allem im Bereich Alt-Treptow – inzwischen diverse spektakuläre Immobilienentwicklungen zu bieten. Das Herz des Stadtteils ist der Treptower Park, wo ich gern an der Anlegestelle der Ausflugsdampfer vorbeilaufe. Der Park ist ganze neun Hektar groß und verfügt über ein umfangreiches Wegenetz, einschließlich Sehenswürdigkeiten wie der Archenhold-Sternwarte. Zu erreichen ist er unter anderem mit der Ringbahn und diversen Ost-West-Linien der S-Bahn (Haltestelle: Treptower Park). Wer in Mitte bzw. im Zentrum Ost nahe dem Alexanderplatz untergebracht ist und gern weite Strecken läuft, kann den Weg von etwa sechs Kilometern fast komplett entlang des Spreeufers in seine Streckenplanung einbeziehen. Ich mag diese Strecke, weil ich dabei auch noch an zentralen Sehenswürdigkeiten wie der Oberbaumbrücke und der East Side Gallery vorbeikomme.

Dinner und Entertainment der Superlative: Palazzo

Seit sage und schreibe 12 Jahren ist Palazzo – Die aufregende Dinner-Show im Spiegelpalast von Hans-Peter Wodarz, einem der Gottväter der deutschen Gourmandise, und Starkoch Kolja Kleeberg inzwischen ein Renner unter Berlin-Besuchern. Und das aus gutem Grund: Die Kombination aus spektakulären Show-Elementen und einem Dinner auf Sterne-Niveau ist sowohl einzigartig als auch schwer zu übertreffen. Zur Saison 2018/19 (vier Monate Spielzeit ab 7. November bis 6. März 2019) wurden ein neues Programm sowie ein neues Menü vorgestellt. Ich hatte große Freude an der Akrobatik-Ensemble-Show „Glücksjäger“ – spielt sie doch ausgerechnet in einem Casino-Hotel, in dem es vor verrückten Charakteren, Leidenschaft und Talent nur so wimmelt. Eine Story, in der ich mich wie zu Hause fühle. Und wer glaubt, dass der kulinarische Aspekt vor lauter Show in den Hintergrund rückt, irrt sich: von der Tempura-Garnele bei der Vorspeise über das Rinderfilet zum Hauptgang bis hin zur Orangencreme mit Schokoladen-Cannelloni zum Dessert konnte mich die Qualität absolut überzeugen. Für Vegetarier und Kinder gibt es alternative Menüs. Tickets für die Show unbedingt im Voraus buchen, entweder online oder telefonisch.

Berliner Nächte sind hoch

Skybar Berlin
Foto: Nicht nur für nachts - die sky.bar ist am Wochenende auch nachmittags schon geöffnet © SKYKITCHEN Restaurant / Bar

Die Nächte gehören in Berlin den Rooftop Bars.  Die sky.bar im exklusiven Vienna House Andel’s Berlin ist zwar eigentlich eine vollverglaste Hotelbar im 14. Stockwerk. Zu ihr gehört jedoch eine wunderschöne Dachterrasse mit Liegen für die Gäste. Da es über dem 14. Stockwerk in 65 Metern Höhe ab dem Spätsommer auch mal kühl werden kann, liegen überall kuschelige Decken bereit. Die sky.bar – ob auf der Terrasse oder im edlen, prunkvoll-kontrastreichen Inneren – verfügt über eine riesige Auswahl an sehr professionell zubereiteten Cocktails und Spirituosen. Der Anspruch der Mixologen an ihre Kunst ist hoch und Vienna-House-typisch stark an den Standort gebunden: „Classy Classics meet Berlin Style Cocktails“, beschreiben sie ihr Konzept. Kenner der Berliner Szene ahnen: Da bleibt kein Auge trocken. Für die weniger Mutigen findet sich natürlich auch ein frisch gezapftes Bier für die verschiedensten Geschmäcker. Die sky-bar ist täglich ab 18 Uhr geöffnet. Donnerstags gibt es ab 21:30 Uhr einen DJ. Wer zur Nacht doch einmal ins wilde Berlin der Hipster und Partytiere eintauchen will, kommt im Klunkerkranich in Neukölln auf seine Kosten. Neben einem der schönsten Panoramen über Berlin bietet der „Kultur-Dachgarten“ auf dem Parkdeck 6 der Neukölln-Arcaden ein äußerst abwechslungsreiches Programm: Lesungen, Poetry Slams, Konzerte, Kino, Märkte u.v.m. finden hier in praktisch täglicher Rotation statt. Atmosphäre und Zutrittsschwelle sind – typisch Neukölln – extrem low-key, um es vorsichtig auszudrücken. Die Öffnungszeiten sind ebenfalls typisch Berlin: täglich von „was ist eine Öffnungszeit?“ bis „was heißt hier nach Hause gehen?“

Klunkerkranich Berlin
Foto: Der Klunkerkranich hat den besten Sonnenuntergang in Berlin © Neuköllner Kranichgesellschaft mbH

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