Ein Tag in London To-do-Liste für Kosmopoliten

Ein Tag in London To-do-Liste für Kosmopoliten

London ist für seine Wandlungsfähigkeit berühmt: Die britische Hauptstadt verändert sich so schnell, dass auch regelmäßigen Besuchern nie langweilig wird. Von traditionellen (und oft steifen) Treffpunkten der besseren Gesellschaft bis zu den innovativsten Hospitality-Konzepten der Welt, vom Shopping-Enthusiasten bis zum Kultur-Fan wird in diesem Melting Pot jeder glücklich. Daran wird auch der Brexit (vorerst) nichts ändern.

Einchecken im citizenM Tower of London

citizenM ist eine Hotelkette für moderne Kosmopoliten, die offen mit „Luxury for less“ wirbt. Da liegt zunächst natürlich der Verdacht nahe, dass die Betonung nicht auf Luxus, sondern auf „less“ liegt. Merkt man dem Hotel an, dass es nicht von Hoteliers erdacht wurde? Ja, denn sowohl das Zimmer als auch Ausstattung und Service-Angebot wurden gemessen an „echten“ Luxushotels durchaus drastisch reduziert. Nur die Lage ist wahrhaft royal. Doch wer unter Luxus ein Höchstmaß an Flexibilität versteht, gern unter Menschen ist und modernes, funktionales Design traditionellem Schick vorzieht, kann hier für vergleichsweise wenig Geld am Puls der City glücklich werden.  „You get what you pay for?“ In gewissem Sinne stimmt das. Doch mit der neuen Gäste- Generation der digitalen Weltenbummler mag sich auch das Verständnis von Luxus wandeln. Und in dieser Hinsicht spielt das citizenM einige zentrale Themen der Hotellerie in interessanten neuen Variationen. Moderne Kosmopoliten, Digitalnomaden und Besucher, die es gern durchdesignt haben und so zentral wie möglich wohnen wollen, werden sich hier wohlfühlen.

Foto: © citizenM
Foto: © citizenM

Meinen ausführlichen Bericht über das citizenM Tower of London lesen Sie hier.  Wenn es etwas mehr sein darf: Mein Favorit unter den echten Luxushotels in London ist derzeit das Lanesborough. Es hat die wohl stilvollste und gleichzeitig gemütlichste Bar auf der Insel. Was mir an diesem exklusiven Haus allerdings am besten gefällt: Man übernachtet nicht einfach nur im Lanesborough – man ist Gast „in residence“. Den Unterschied spürt man am individuellen, außergewöhnlichen Service und der Gastgeber-Mentalität, die jeder Mitarbeiter ausstrahlt.

Das Königreich „in a nutshell“: Borough Market

© Borough Market
© Borough Market

Natürlich gibt es unendlich viele andere Dinge, die man an einem Vormittag im Zentrum Londons tun kann – vor allem, wenn man direkt neben dem Tower untergebracht ist. Ich will Sie gar nicht davon abhalten, sich stundenlang in die Schlange zu stellen und die Kronjuwelen anzuschauen. Aber wenn Sie das Königreich, wie es leibt und lebt, wirklich kennenlernen wollen, habe ich einen besseren Vorschlag für Sie: den Borough Market auf der anderen Seite der Themse. Vom Hotel oder dem Tower aus erreichen Sie den Markt mit einem 15- oder 20-minütigen Spaziergang, bei dem Sie wahlweise die Tower Bridge oder die London Bridge überqueren, so dass Sie unterwegs die volle Dosis London-Panorama mitnehmen können. Der Borough Market ist Großbritanniens renommiertester Markt. Hier gibt es nichts, was es im Königreich und seinen Ausläufern nicht gibt – ein wahres Mekka für Feinschmecker. Von wegen, die Briten können kein anständiges Essen! Vom schottischen Highland-Rind bis zum Walisischen Früchtebrot: probieren Sie sich nach Herzenslust durch.  Ganz nebenbei lernen Sie mit den Marktverkäufen quirlige bis kauzige Originale aus allen Ecken des Königreichs kennen. Wenn Sie sich ein wenig Zeit zum Schauen, Plaudern und Schnuppern nehmen, werden Sie an einem Vormittag auf dem Borough Market mehr über die britische Kultur erfahren und mehr Geheimtipps abräumen, als jeder Museumsbesuch und jeder Guide Sie lehren könnte. Wer den Markt lieber geführt erkunden möchte, kann eine der offiziellen „Gastrotours“ mit Gastro-Autorin Celia Brooks buchen.

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Lunch bei Mildreds

Nach einer so kultur- und naturnahen Erfahrung wie dem Borough Market wollen Sie zum Lunch natürlich keine der Scheußlichkeiten auf den Tisch bekommen, für die die Briten leider auch bekannt sind. Mittelmäßige Meat Pies und andere typisch englische Lunch-Klassiker können bei Nicht-Insulanern schnell für ein Gastro-Trauma sorgen. Im Mildreds Vegetarian & Vegan Restaurant in der Lexington Street in SoHo (und damit im Herzen des hippen Boutique- und Modeviertels und fußläufig zu einigen der größten Touristenattraktionen gelegen) schmeckt es vor allem, aber nicht nur Vegetariern und Veganern. Englische Klassiker perfekt umgesetzt, und Fusion mit gutem Gewissen! Eine Alternative für Eilige und Kostenbewusste ist die Sushi-Kette Itsu. Hier gibt es ordentliche Sashimi und Suppen, aber auch Salate zu günstigen Preisen (die eine Stunde vor Ladenschluss sogar noch halbiert werden). Meine Lieblingsfiliale ist die in 167 Piccadilly, denn sie liegt nur einen Steinwurf von meiner liebsten Shopping-Adresse in London entfernt – s. nächster Punkt.

Fortnum & Mason: Der Mittelpunkt der Welt (für Schokoholics und Teeliebhaber)

Für Naschkatzen mit höchsten Ansprüchen gibt es meiner Meinung nach auf der ganzen Welt keine bessere Adresse als Fortnum&Mason in der Piccadilly Street. Hier bekomme ich meine Lieblings-Schokoladen und Tees unter einem Dach. Auch für besonders edle kulinarische Mitbringsel ist das traditionsreiche Kaufhaus die beste Adresse. Die Auswahl an internationalen Tee-Spezialitäten suchen weltweit ihresgleichen – die Briten machen ihrem Ruf als Tee-Fanatiker alle Ehre. Dasselbe gilt für die Schokoladen-Abteilung: Von heißer Schokolade mit gesalzenem Karamell für zu Hause bis zur innovativen, pinkfarbenen „Ruby Chocolate“: Wer auf Diät ist, halte sich fern. In der Food Hall herrscht zudem eine solche Auswahl an frischen Delikatessen feinster Qualität, dass man nach einem Rundgang eigentlich keine Notwendigkeit mehr sieht, in London irgendein Restaurant zu besuchen. Tipp: Die vielfältigen Varianten von gefüllten Picknickkörben mit ausgewählten Delikatessen kosten in den größeren Ausführungen zwar schnell mehrere Hundert Pfund, eignen sich dafür aber selbst bei Einladungen zum High Tea in royale Haushalte als luxuriöses Mitbringsel.

Foto: © Fortnum & Mason
Foto: © Fortnum & Mason

Innovatives Indisch im historischen Zentrum: Gunpowder

Neue Restaurants eröffnen in London mit einer Frequenz, bei der selbst regelmäßige Besucher schnell den Anschluss verlieren können. Schon einen Überblick über den letzten Schrei in dem Stadtteil zu bekommen, in dem man sich gerade aufhält, ist eine echte Herausforderung selbst für einen gut informierten Concierge. In der Nähe des citizenM Tower of London bietet sich Feinschmeckern zur Abrundung eines ereignisreichen Tages derzeit eine der jüngsten Top-Adressen der Stadt zum Ausprobieren an. Das Gunpowder, benannt wohl nach der explosiven Ladung der Kanonen des Tower of London, am Duchess Walk täuscht mit seinem reduzierten Industrial-Look, den (nicht immer zu meiner Freude) seit einigen Jahren zahlreiche jüngere Gourmet-Tempel zur Schau stellen, über seinen kulinarischen Einfallsreichtum hinweg. Indisch ist zwar seit vielen Jahren (Gott sei Dank) zur mehr oder weniger offiziellen Nationalküche der Briten avanciert. Doch die Tapas-ähnlichen kleinen Gerichte zum Kombinieren, die hier gereicht werden, haben mit der klassischen Karte eines Inders wenig gemeinsam: Okra-Fritten, Chicken Lollipop Madras Style oder Kaninchen-Pulao sind genauso außergewöhnlich wie aromatisch. Die Preise sind zudem für Londoner Verhältnisse überraschend moderat: Ein vorab zusammengestelltes Pre-Theater-Menu aus mehreren kleinen Tellergerichten inklusive einem Glas Weinbegleitung kostet mit 25 Pfund pro Person weniger als ein Stück Lachs ohne alles im Savoy Grill.

Drinks im viktorianischen Badehaus

Das Victorian Bath House in Bishopsgate ist nicht die neueste und nicht die Design-lastigste, wohl aber eine der originellsten und typischsten Optionen für eine unvergessliche Nacht in London. Diese mystische Bar ist nur einen zwanzigminütigen Spaziergang oder eine kurze Taxifahrt vom Tower entfernt und liegt fast direkt an der Tube-Station Liverpool Street. In der Wormwood Street gleich nördlich der alten Stadtmauer steht mitten zwischen gläsernen Wolkenkratzern ein kleines, orientalisch anmutendes Gebäude. Mit dem Schritt hinter den Samtvorhang und ins Untergeschoss trete ich ein in eine vergangene Epoche: Hier erwacht das viktorianische London in all seiner Opulenz zum Leben. In den Alkoven und Barräumen dieses denkmalgeschützten Gemäuers ist es leicht zu vergessen wo man ist – und angesichts der exzellenten Cocktail-Karte bei Bedarf auch, wer man ist. Die Mixologie ist auf höchstem Niveau, dasselbe gilt für die Bar-Snacks von den Küchenchefs, die auf Wunsch auch Fine-Dining-Events vom Feinsten in der einmaligen Location veranstalten. Auch wer die Bar regulär besuchen will, muss zwingend einen Tisch im Voraus reservieren; dies ist eine Bar im alten Stil, „by appointment only“. Reservierungen für die beliebten Samstagabende sind ab sechs Wochen im Voraus möglich.

Foto: © Victorian Bath House
Foto: © Victorian Bath House

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